Me and my iPad

Apple ist doof…  Besitzer der teuren Stylo-Geräte wirken, als ob sie von Steven Jobs höchstpersönlich gehirngewaschen wurden, so sehr schwärmen sie von ihnen. Zugegeben, die MacBooks, iPhones und iPods machen optisch schon etwas her . Aber wenn man mal Leistung und Preis vergleicht, dann runzeln die PC-Besitzer immer wieder die Stirn. Auch auf dem Handy-Markt stehen die Android-Smartphoner den Caffè-Latte-Trinkern mit ihren iPhones skeptisch gegenüber. Und nun in Zeiten von Netbooks schauen wir PCler skeptisch auf dieses neue Ding namens iPad, das eine ganz neue Art von Couch-Potato-Unterhaltung mit sich bringt. Ich als Apple-Skeptiker hab nun ein solches Apfel-Edelbrettchen (unfreiwillig) geschenkt bekommen und möchte über meine ersten drei Wochen mit dem iPad berichten.

Giftgasalarm: iPad, die Ankunft

Es stellt sich die Frage, warum so ziemlich alle iBesitzer so derart von ihren Geräten überzeugt sind… Ich als Skeptiker, Journalist und Mutter glaube ja nicht daran, dass Apple’s Produkte wirklich so gut sind. Deswegen ist meine Vermutung folgende: Apple hat in jedem Gerät ein kleine Düse eingebaut, die beim erstmaligen Anschalten des Geräts geruch- und farbloses Nervengas versprüht. Einmal eingeatmet ist man mit dem Neuro-Apple-Virus (dem sogenannten „iVirus“) infiziert.

So, jetzt komme ich nun also an, hab diesen hübschen Karton in der Hand und will das Teil eben ausprobieren. Klar, dass ich beim Anschalten darauf aufgepasst habe, dass ich vom Gerät wegschaue und abwarte, bis sich das iGas verzogen hat. Als ich dann nach einer kurzen Zeit drauf schaue, kommt die erste Hürde: Bitte verbinden sie das iPad mit einem Mac oder PC, auf dem iTunes installiert ist! iTunes! Ein Programm, an dem ich vor Jahren schon verzweifelt bin. Nach kurzem Zögern hab ich dann halt widerwillig das Programm auf mein Netbook geladen (Damit ihr später Daten googeln könnt: Es ist ein „Samsung N140“ mit einem 11“ Dispaly), alle Fragen, ob iTunes etwas mit meinen Daten machen darf mit „Nein“ beantwortet und los geht es. Das iPad wird von iTunes per USB-Verbindung zu einem Netbook aktiviert… etwas albern, finde ich. Dann erstmal die WLAN-Daten eingegeben und was nun? Was mach ich mit dem iPad? Surfen… das ist ja jetzt keine Neuheit und auch nicht allzu komfortabel wie auf dem Netbook, der direkt daneben steht. Der Abend endete also damit, dass ich den AppStore nach Gratis-Sachen durchsucht habe und mit einem riesigen Haufen Müll konfrontiert wurde.

Der knallharte Vergleich

Da ich ja oft sehr kritischer Natur bin, wird das iPad gleich mal mit vorhandenen Geräten im Haushalt verglichen. Vernünftig arbeiten, beispielsweise diesen Artikel hier tippen, ist auf dem Apfelbrett äußerst schwierig. Bis man das erste vernünftige App gefunden hat, dass auch noch Geld kostet, dauert es eine Weile. Ja, ich hab viel recherchiert, um mich nicht durch Tausende von Apps und Apps-Bestenlisten von Apple zu wühlen. Wie viel kostet eigentlich bei Apple ein Eintrag seiner App in solch einer Liste? Die Liste riecht sehr stark nach Sponsoring.
Das Tippen auf der virtuellen Tastatur geht zwar erstaunlich flüssig, aber Komfort ist dann schon was anderes. Was nervt, ist vor allem die Autokorrektur und das ständige Wechseln der Tastatur-Layouts um beispielsweise ein Ausrufezeichen zu tippen. Minimalistische Mails, Instant-Messenger Nachrichten und URLs sind allerdings kein Problem nach einiger Eingewöhnungszeit. Mit Übung geht das auch fast mit zehn Fingern. Fürs Texte tippenziehe ich jedoch nach wie vor mein Netbook oder für längere Sachen den Desktop-PC vor.

Das iPad bleibt auch sehr couchgebunden, da es nur bedingt für mobile Einsätze geeignet ist. Ohne WLAN hat man eh nur den halben Spaß und auch die Maße sind da nicht unbedingt konkurrenzfähig im Vergleich mit Smartphones, MP3-Playern oder Handhelds wie PSP oder NDS. Es kann nicht telefonieren (außer vielleicht mit Skype, wenn man eine Mirco-SIM mit Datentarif sein eigenen nennt), es ist zu groß für einen praktischen Mp3-Player und zu unhandlich, um damit unterwegs vernünftig zu spielen.
Außerdem hat man bei Medien wie Fotos, Videos oder Musik die iTunes-Hürde. Man bekommt einfach keine lokalen Daten auf das Brett, ohne sie durch iTunes zu schleusen, was natürlich wieder einen PC oder Mac voraussetzt. Ein USB-Anschluss wäre hier echt sehr cool gewesen. Einen großartigen mobilen Nutzen hat das Teil also nicht.

Kommen wir also mit dem iPad zurück auf die Couch. Gut, dort hat es Tatsache ein paar Vorteile, auch wenn es purer Luxus ist. Will man z.B. beim Filmgucken oder so schnell mal sehen, woher man diesen einen Schauspieler nochmal kennt, dann geht dies sehr flott mit dem Stylo-Brettchen. Der Vorteil: Man muss nicht erst das Netbook hochfahren, das iPad ist da selbst im abgeschalteten Zustand schneller hochgefahren. Noch ein cooler Aspekt vom Brett ist das Fotos-Zeigen. Das hat sich beim Weihnachtsbesuch in der fernen Heimat gezeigt. Schön hierbei auch die Zoomfunktion mit zwei Fingern.

Doch weiter… als was könnte das iPad denn noch taugen? Als E-Book-Reader? Bedingt mal wieder… ich lese lange Texte und vor allem Bücher am liebsten gedruckt, da ich das lange Lesen am Monitor einfach nicht leiden kann. Es geht nichts über einen gedruckten Text in der Hand und irgendwo gemütlich zu sitzen oder zu liegen. Aber manche Menschen haben mit dem Lesen am Monitor keine Probleme. Und die könnten das iPad womöglich für sich entdecken. Jedoch werden auch diese Menschen bald merken, dass das Lese-Brett einfach viel zu schwer ist, als dass man es bequem lang in der Hand halten könnte bzw. gemütlich sitzen/liegen kann, ohne es in der Hand zu haben. Wieder ein Chance vertan, iPad! Als Musik-Abspielgerät wäre es etwas, aber da gibt es bei mir und bei anderen bestimmt auch schon einige Geräte im Haushalt, die das schon seit Jahren tun und bestimmt nicht durch das iPad ersetzt werden sollen. Beim Film-Schauen alleine (zu zweit ist noch mühseliger) kommt das gleiche Problem auf wie beim Lesen. Manch verrückte, von Apple überzeugte Menschen werden jetzt auf die iPad-Stützen hinweisen, die es appletypisch teuer zu kaufen gibt. Da sage ich: Das iPad kostet in seiner 16GB-Version 600€ und es ist keine Stütze dabei!?

Das iPad als postmoderner Gameboy?

Bleibt eben noch das Zocken übrig, um dem iPad endlich einen Nutzen zu geben. Man sollte ja meinen, dass durch den Touch-Screen einiges an innovativen Ideen für Spiele kommen sollte. Und die gab es auch, jedoch habe ich bislang noch keinen Überflieger gesehen. Klar, es hat ein paar nette Spielchen, die gar suchterregend sind und auch Spaß machen, aber es war jetzt nichts dabei, was ich nicht schon woanders gesehen hätte. Und auch epische, große, nachhaltige Spiele sucht man im AppsStore vergeblich. Nichtsdestotrotz nutze ich das iPad hauptsächlich zum Daddeln. Es wird sich jedoch zeigen, wie lange der Hype anhält und ich mich wieder den großen Spielen an der Xbox 360 widme.

Welchen Sinn hat das iPad eigentlich nun?

„Sieht cool aus und kann nichts“ ist wohl der treffendste Satz zum iPad. Größtenteils ist das Gerät einfach nur ein Luxus-Spielzeug, dessen Preis sich an die besser verdienenden Menschen richtet. Für 600€ bekommt man das iPad 3G (mit WLAN und UMTS) und 16GB Speicher. Mein Netbook hat damals knapp 300€ gekostet und hat 320GB Speicher. Will man ein bisschen mehr Speicher, zahlt man für die 32GB-Version sage und schreibe 100€ mehr! Es ist sogar so, dass das iPad mehr wiegt als mein Netbook, obwohl es viel viel dünner ist.

Apropos „sieht cool aus“, ein Problem, das viele Besitzer von Touchscreen-Geräten wohl kennen: Die Finger können noch so frisch gewaschen sein, sie hinterlassen dennoch ordentlich Schmodder auf den Bildschirmen. Da ist der knapp 10“ große Display des iDevices prädestiniert für Finger-Schmiere. Einen Tag benutzt und das Ding sieht aus, als ob eine Horde Kinder damit gespielt hat. Der versierte iPad-Nutzer hat also immer ein Putztüchlein parat, damit das schicke Design nicht leidet.

Und ich mag’s doch!

So, genug gehetzt, jetzt muss ich mich aber mal outen und zugeben, dass mir das „Wischen“ und „kraulen“ mit dem iPad bisher sehr viel Spaß macht. Gekauft hätte ich mir das Teil wohl nie (auch nicht, wenn ich es drei Wochen vorher getestet hätte), aber als Geschenk ist es echt cool. Mal so lässig auf der Couch sein Brettchen krallen, Mails checken, kurz mit jemandem im Instant-Messenger chatten, kurz Tagesthemen in der 100-Sekunden-Zusammenfassung schauen und dann wieder eine Runde Zocken hat schon was für sich. Auch hat mich erstaunt, wie nicht-technikversierte Menschen damit intuitiv umgehen können. Meine Mutter, die sich nach wie vor nicht an einen PC wagt, konnte das iPad fast auf Anhieb bedienen! Das muss man den Apple-Technikern lassen, von Usability (und auch Design) haben sie Ahnung. Ich möchte mein Stylo-Brettchen nicht mehr auf der Couch missen.

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8 Gedanken zu „Me and my iPad

  1. Tim

    Hmmm…
    okay, eigentlich führst du sehr viele Negativpunkte auf.

    Ich verstehe nicht wie dein Fazit dann ist:
    „Ich möchte mein Stylo-Brettchen nicht mehr auf der Couch missen.“

    Warum?

    Ich habe ja auch kein iPad und suche immer noch nach dem „Einsatzzweck“ des Dings 🙂

    Antworten
    1. Stefan Beitragsautor

      Genau, Tim! Gut erkannt! 😉

      Das Ding hat keinen wirklichen Nutzen, aber ich liebe es… das ist das ja das Paradoxe! Oder ich hab doch noch etwas vom iGas abbekommen.

      Antworten
  2. MIK

    Also zwei Kleinigkeiten, vergleiche mal die Preise eines Samsung, SONY, Dell oder HP 13,3“ Notebook mit dem eines Macbook Pro 13,3“ dann wirst du feststellen das es da keinen Preisunterschied mehr gibt. EInzig die großen Modelle sind wirklich total überzogen.

    Zum anderen selber schuld wen du dir keine Micro Sim Karte leistest 😀 weil ohne die UMTS Fuktion macht das ganze wirklich keinen Sinn da haste völllig recht.

    Ach ja enn du dir ne SSD mit 64GB kaufst für nen Laptop kostet dich das Teil auch locker 100 Euro! was übrigens ein kleiner aber feiner Vorteil des iPads ist: keinerlei Bewegliche Teile!

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    1. Stefan Beitragsautor

      So MIK,

      da hat wohl jemand zu viel iGas geschnuppert, was? Nee, Spaß beiseite…
      Okay, 13,3 Zöller Notebooks habe ich jetzt nicht verglichen, aber als ich letztlich für ne Freundin nen neuen 17er gesucht habe, waren da die Macs deutlich teurer…

      MicroSIM-Card: Ich habe eine, aber ich habe das iPad bislang nie mitgenommen, außer neulich beim Arzt, um im Wartezimmer ein wenig zu daddeln (Wozu ich kein Internet gebraucht habe). Ansonsten sehe ich keinen großen alltäglichen Nutzen für’s iPad im mobilen Einsatz. Wie schon geschrieben, aktuelle Smartphones und MP3-Player haben da ihre Vorteile, vor allem in Größe und Gewicht. Zeitung lese ich auch lieber in gedruckter haptischer Form, aber da mag ich altmodisch sein. Was ich mir höchstens noch vorstellen kann, ist, dass das iPad auf langen Zugfahrten ganz angenehm sein kann, wenn man nichts Produktives machen will (dafür hab ich das Netbook).

      SSD-Speicher: 64GB für 100€, genau! Bei Apple zahlste 100€ bzw. 200€ mehr für die 3G-Variante mit 32GB bzw. 64GB. Ergo: SSD-Speicher für Laptops ist günstiger.

      Und ich muss dir recht geben: Das iPad ist sehr gut verarbeitet! Das ist echt top! Wie auch im Artikel erwähnt: Die Apple-Techniker wissen was sie tun!

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      1. MIK

        Naja ich hab ja auf meiner kleinen Odyssee durch Deutschland festgestellt das im ICE die UMTS Verbindungen teilweise enormst Mau sind. war ätzend bis ultraätzend 😉 Da muss DE echt noch nachholen!. Oder o2 ihr Netz deutlich ausbauen….

        Ich hab die kleinen teile eigentlich sehr gerne. Sie sind eben sehrt leicht und brauchen nicht viel Platz und der Akku hebt ewig. Daneben haben sie auch mehr Leistung als nen Netbook, meins gerät ganz schön ins straucheln wenn ich ma nen höher aufgelöstes Video auf Youtube anschauen will und die Ladezeiten sind teilweise auch recht lang.

        Aber worauf ich hinaus möchte. Fahre ich in den Urlaub isses angenehmer um mal eMails zu checken, kurz zu surfen um meinet wegen den Weg zu finden oder Öffnungszeiten von Museen zu schauen als so nen doch recht schweres Netbook. Ich weis du bist da nicht ganz so süchtig wie meine wenigkeit 😉

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  3. Iro

    Sehr unterhaltsame Bewertung des sicherlich stylischten Ding seit Einführung der 10″-Spielzeuge*g*
    Trotzdem, mein Samsung N150 ist mir lieber, auch wenn es langsamer, nicht so stylisch und mit Microsoft „geschlagen“ ist…….unterwegs stöpsel ich mein Handy drann und habe (fast) immer und (fast) überall Internet.

    lg, Iro:D

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