Emotionen bei Androiden im Film 4

Es wird der Frage nach gegangen, wie und ob Androide im Film menschliche Emotionen zeigen und ausdrücken, oder auch daran scheitern sie zu verstehen oder zu imitieren. Dazu definieren wir erst einmal “Emotionen” und gehen dann in den kommenden Artikeln auf die Film-Androiden aus den Alien-Filmen, der ursprünglichen Star Wars Trilogie, Terminator 2, Per Anhalter durch die Galaxis und zu Guter letzt aus Blade Runner ein.

Einleitung schon gelesen oder Teil 2 (Alien-Saga) oder 3 (Star Wars, Terminator 2) verpasst?

Emotionen bei Androiden aus Per Anhalter durch die Galaxies und Blade Runner (+ Fazit)

Emotionen bei Marvin

Definitiv Emotionen zeigt im Film „Per Anhalter durch die Galaxis“ der Roboter „Marvin“. Er ist, wie er bei der Ankunft der Weltraumanhalter und Flüchtlinge „Arthur Dent“ und „Ford Perfect“ auf dem Schiff „Herz aus Gold“ erzählt, der Prototyp von Robotern mit „Echtem menschlichem Persönlichkeitsbild“ (EMP). Infolge dessen empfindet er nur Trauer und Leid. Im ganzen Film läuft er nur mit gesenktem Kopf herum und benutzt als häufige Reaktion nur  Kopfschütteln und Achselzucken. Er zeigt dieses „Unlust-Schema“ des Öfteren und sieht alles in einem schlechten Bild. Laut ihm hasst ihn sogar der doch sehr fröhlich klingende Bordcomputer der „Herz aus Gold“. Er schüttelt bei den von Menschen gezeigten Emotionen den Kopf, wie in der Szene als „Beeblebrox“ Arthur schlägt. Auch kommentiert er jegliche Handlungen, die ihm aufgetragen werden oder die andere ausführen mit negativen Sätzen, wie „Macht mir bestimmt keinen Spaß!“. Als sie den Film über den Riesencomputer schauen, der die Antwort auf alle Fragen errechnen soll, meint er mit einer gelangweilten Stimme: „Habe ich schon gesehen. Großer Schwachsinn!“. Bei Emotionaler Intelligenz scheitert Marvin jedoch bis auf einen Punkt: Selbstwahrnehmung. Er betitelt sich gegen Ende des Films selbst als manisch depressiver Roboter. Selbstmanagement besitzt er nicht, wobei aber die Möglichkeit besteht, dass er keine anderen Gefühle haben kann. Dies wird jedoch im Film nicht gezeigt. Von Selbstmotivation, Empathie und Beziehungsfähigkeit kann man auch nicht sprechen, da Marvin viel zu sehr mit seinen Depressionen beschäftigt ist und so seinen Mitmenschen emotionell nie beisteht.
An Marvin sieht man gut das Scheitern von künstlicher Emotion, da er nur eine Stimmung dadurch besitzt und mit dieser immer beschäftigt ist. Dies hat aber keine Auswirkungen auf sein Dasein als Roboter. Er erledigt, zwar mit Widerworten, jedoch immer zuverlässig was im aufgetragen wird. Seine Emotionen haben also im Film keine Auswirkungen auf sein Handeln und sie werden auch größtenteils von den menschlichen Beteiligten ignoriert, was seine emotionelle Lage nicht unbedingt besser macht.

Emotionen bei den Nexus-6-Replikanten

In Ridley Scotts Film „Blade Runner“ wird der Ex-Replikanten-Jäger (sog. Blade Runner) „Rick Deckard“ auf einige Replikanten angesetzt, die verbotener Weise auf die Erde geflüchtet sind. Alle sind moderne „Nexus 6“ Modelle, die äußerlich nicht vom Menschen zu unterscheiden sind. Identifizierbar sind sie nur mit dem sog. „Voight-Kampff-Test“, der bei Replikanten die verzögerte Reaktion in der Iris-Weitung misst, nachdem ihnen moralisch anrüchige Fragen gestellt werden. Wie Deckards Chef am Anfang erklärt sind Replikanten dazu fähig im Laufe der Jahre eigene emotionale Reaktionen zu entwickeln, weswegen sie nur auf eine Lebenszeit von vier Jahren ausgelegt sind. „Dr. Tyrell“, der „Erschaffer“ der Nexus 6 Modelle erklärt, bevor Deckart „Rachel“ testet, dass die Replikanten mit eingepflanzten Erinnerungen versehen wurden, um ihr geistiges Gleichgewicht zu gewährleisten. Sie meinen sich also an ihre Kindheit und Eltern erinnern zu können.

Dass die meisten Replikanten aber definitiv zu Emotionen fähig sind, zeigt vor allem Rachel, als sie von Deckard erfährt, dass sie ein Replikant sei. Bisher war ihr das nicht bewusst und sie bricht sofort in Tränen aus, als sie es erfährt. Sie entwickelt sogar im Laufe des Films Zuneigung zu Deckard und gesteht ihm kurz vor ihrer gemeinsamen Flucht, dass sie ihn liebe, was auch im Punkt Selbstwahrnehmung beweißt, dass sie zumindest teilweise Emotionale Intelligenz besitzt.

Eine andere Replikantin, „Pris“, wirkt verängstigt und rennt sogar panisch gegen ein Auto, als sie sich vor „J.F. Sebastian“ erschrickt. Als dieser ihr hilft und mit in seine Wohnung nimmt sieht man auch wie Pris lächelt, als sie die Spielzeug-Puppen-Roboter in Sebastians Wohnung sieht. Des Weiteren sieht man deutlich, wie sie sich über Sebastians Kompliment über ihr frisch geschminktes Gesicht freut.

„Roy Baty“, der eigentlich Anführer der entflohenen Replikanten, zeigt Gefühle, auch wenn diese immer nur von sehr kurzer Dauer sind. Man könnte sogar meinen, dass er diese nur spielt oder er ein sehr ausgeprägtes Selbstmanagement besitzt. Als er Pris vom Tod „Leons“, einem anderen Replikanten, erzählt verzieht er sein Gesicht um anscheinend Trauer auszudrücken. Im nächsten Moment hat er aber schon wieder ein breites Lächeln in seinem Gesicht, als er meint, dass sie nicht sterben werden. Auch als Pris von Deckard erschossen wird lehnt sich Baty kurz über ihre „Leiche“ und bricht fast in Tränen aus. Kurz danach hat er aber sofort wieder seinen normalen, neutralen Gesichtsaudruck und macht weiter Jagd auf den Blade Runner. Während Deckard jedoch an einer Strebe über dem Abgrund hängt und fast abrutscht, hilft ihm Baty wieder herauf. Kurz danach stirbt er. Hier zeigt er einen großen Wandel in seiner Emotionalität und vor allem in seiner Fähigkeit zur Empathie. Durch die Rettungsaktion zeigt er Mitgefühl und Mitleid für Deckard.

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Replikanten zeigt „Leon“ keinerlei emotionelle Reaktionen. Er hat in allen Situationen den gleichen Gesichtsausdruck. Einzig bei der Frage nach seiner Mutter beim Voight-Kampff-Test am Anfang des Films zeigt er eine gereizte Affekthandlung, in der er den Blade Runner „Holden“ erschießt.

Die Emotionen und die Emotionale Intelligenz, die bei den meisten Replikanten vorhanden sind haben vor allem die Aufgabe sie menschlicher zu machen. Nicht nur für ihren Umgang mit Menschen sonder auch für die Replikanten persönlich, da sie diese brauchen um nicht geistig instabil zu werden, weil sie sonst alle Komponenten eines menschlichen Geistes besitzen. Wie die Reaktion von Rachael zeigt, als sie erfährt, dass sie ein Replikant sei, wird klar das die Androiden schon zu menschlich sind um ohne Gefühle aus zu kommen, was die eingepflanzten Erinnerungen beweisen. Es entsteht sogar Zuneigung zu Menschen, wie Rachel und Deckards gemeinsame Flucht beweißt. Auch Roy Batys Umschwung kurz vor seinem Tod zeigt einen Wandel hin zum humanen Menschen, weg vom bösartigen Killer-Android, den er doch den größten Teil des Films mimt.

Abschluss-Fazit

Die behandelten Filme zeigen alle, dass es in der Fiktion durchaus als Möglich erachtet wird, dass Maschinen Gefühle entwickeln und zu diesen auch genauso fähig sind, wie richtige Menschen. Die Gefühle helfen den meisten Androiden sich in die Gesellschaft der Menschen zu integrieren und so besser mit ihnen zu arbeiten. Der Terminator hat zwar keine Gefühle, imitiert diese aber zum Teil um den gerade genannten Zweck zu erreichen. Diese erreicht er sogar soweit, dass sein Schützling John sehr an ihm hängt.
Gerade in den „Alien“-Filmen sieht man, wie der Mensch versucht immer bessere und emotionalere Androiden zu erschaffen, wobei der „perfekteste“, Call, zu guter Letzt von Androiden entwickelt wurde. Trotzdem wurde bei Bishop auf die Erfahrung aufgebaut, was durch Ashs Emotionslosigkeit negatives passiert ist. Bei den zwei Maschinen-Freunden aus „Krieg der Sterne“ sieht man, dass durch pure Gefühle auch schon menschliche Freundschaft unter den Droiden entstehen kann und sie auch ohne große menschliches Aussehen durchaus als gleichwertig zu einem Menschen akzeptiert werden. Bei Marvin hingegen erkennt man eher den Fehlversuch einen Roboter mit Gefühlen aus zu statten. Dieser kämpft eher mit ihnen, als sie zu besseren Kommunikation mit den Menschen zu nutzten. Für die Replikanten in „Blade Runner“ sind Gefühle wichtig, da sie ohne diese aus dem geistigen Gleichgewicht kommen würden, da sie ja eigentlich mehr Menschen-Klone sind, als richtige Maschinen. Racheal zeigt auch wieder, dass eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine durch Gefühle möglich ist, da Deckard sich mehr und mehr von ihr angezogen fühlt und mit ihr zum Schluss auch flüchtet. C-3PO und R2-D2 zeigen hier auch, dass durch die Emotionen, die sie besitzen, sie doch in sehr enger Beziehung zu den Menschen sehen, wobei man von Freundschaft reden kann.
So zeigen alle Beispiele, dass ein Roboter oder Android nicht nur durch ein menschliches Äußeres, sonder auch durch eigene Emotionen von Menschen eher akzeptiert wird und es daher für die Maschinen ein wichtiger Schritt ist um in die menschliche Gesellschaft integriert zu werden und nicht nur auf ihre erste zugedachte Funktion wie Erntehelfer in „Krieg der Sterne“ oder Tötungsmaschine in „Terminator 2“ reduziert zu werden.

Bibliographie:

    • Per Anhalter durch die Galaxies, Garth Jennings, Touchstone Pictures, 2005

  • Blade Runner (Director’s Cut), Tony Scott, Warner Brothers, 1982/1991

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