Mad Max – Mitläufer und Sündenbock

Mad Max ist eigentlich ein überraschend gutes Spiel geworden. Warum es trotzdem und auch sinnbildlich für so viele moderne Großproduktion wieder mal alles falsch macht, möchte ich euch hier einmal erzählen. Und ja, Phil Owen ist an allem Schuld!

Phil Owen… das ist der Typ, dessen Buch „WTF is wrong with videogames“ ich neulich gelesen habe. Einen Bericht dazu gab’s ja schon. Nicht, dass er mir großartig etwas Neues erzählt hätte, aber der Kerl hat es geschafft, mir mal wieder mehr darüber bewusst zu werden, was mich an modernen Videospielen eigentlich so stört in letzter Zeit und bisher nicht wirklich in Worte fassen konnte.

Aber dank dem ollen Owen kann ich das jetzt nun, vermutlich.

Auf jeden Fall habe ich das Mad Max gespielt und kurz um, ist es ein tolles Action-Spiel, das dem Mad Max Franchise vor allem nach dem neusten Film „Fury Road“ sehr gerecht wird. Viel Wüstenstaub, imposante Karren, skurrile Charaktere, brutale Action in einer atemberaubenden Grafikkulisse und tollen Effekten. Sauber, der Mad Max Fan springt im Kreis vor Freude. Und ja, hier geht’s auch vordergründig nur darum, dass der fiese Crotus Max die Karre mit dem V8-Motor geklaut hat. Grund genug einen Rachefeldzug zu starten. So ist es halt im Ödland! Aber keine Angst, ein bisschen mehr Tiefgang kommt dann doch noch.

Nun, aber…

Nun, aber… eigentlich, ganz ehrlich gesagt und mal ohne die rosa Gamer-Brille gesehen, war Mad Max, wie viele andere Vertreter, gesamt gesehen einfach ein einfallsloses und miserabel designtes Spiel. Genau wie die letzten Assassin’s Creed/Far Cry Teile und die ganzen anderen Pseudo-Open-World Spiele, die inzwischen nur noch künstlich aufgeblasen werden und sich immer am selben mechanischen Grundprinzip orientieren.

Die ganzen Storys der Spiele und auch die Grafik und der Sound mögen einsame spitze sein, bei fast allen Spielen, aber was mich nervt, sind eben die inzwischen einfallslosen Mechaniken der Spiele, bei denen man gebetsmühlenartig eine Handvoll Mechaniken immer und immer wieder wiederholen muss (MUSS). Schön wäre es ja noch, wenn man das alles Links liegen lassen könnte und sich auf das Wesentliche konzentrieren zu könnte. Aber nein, bei Mad Max muss man Scrap (die Ingame-Währung) sammeln für die ganzen Upgrades von Max selbst und der Karre, die man fährt. Sonst besteht man nämlich nicht gegen die ganzen Gegner, die natürlich schwerer werden. In der Story kommt man genauso wenig weiter, denn viele Upgrades bzw. die damit zusammenhängenden Nebenmissionen sind Voraussetzungen. Und der Nebentätigkeiten sind da viele, sehr sehr viele.

Batman: Shadow of Assassin’s Cry

Die Mechaniken kennt man halt auch schon in und auswendig. Das Zwei-Knöpfe-Kampfsystem wurde damals 2009 mehr oder weniger von „Batman: Arkham Asylum“ eingeführt. Bei Max kämpft man immer noch genau so. Da gibt es gar keine Lernkurve mehr. Man klettert seit Assassin’s Creed 2007 auf Aussichtstürme, um Gebiete und Aktivitäten in Teilgebieten aufzudecken. Die Variante ist immer nur ganz leicht anders. Man entdeckt neue Türme oder was auch immer und muss irgendwie hochkommen, ob nun bei den letzten Far Cry Spielen oder bei Shadow of Mordor, bei Mad Max sind es halt Heißluftballone.

Auflauern, Pirschen, Erlegen, Häuten, das Jagen. Von der Mechanik in immer mehr oder weniger abgewandelten Varianten auch in den letzen Jahren zu oft gesehen: Far Cry 3 und 4, Assassin’s Creed IV: Black Flag, Tomb Raider und bei Mad Max eben die Konvois. Bei den erstgenannten Spielen musste man es immer und immer wieder machen, denn man brauchte es, um irgendwelche Upgrades freischalten zu können. Auch wenn es bei Mad Max nur dazu war, das Gefahrenlevel eines Gebietes zu senken, aber am Ende winkten halt wichtige Upgrades.

Ich mein irgendwie macht es ja noch Sinn, dass der gute Max sich seine Karre hochrüsten muss, um… seine Karre wieder zu bekommen. Aber die Art und Weise, wie man sich das Weiterkommen in der Geschichte verdienen muss, wiederholt sich immer und immer wieder. Die Entwickler schaffen damit, die Spielzeit um etliche Stunden zu steigern. Wenn man ein Gebiet durchhat, dann öffnet sich einfach das Nächste. Das sieht zwar landschaftlich etwas anders hübsch aus und die Charaktere, die man trifft etwas anders skurriler, aber das Gameplay-Rezept bleibt das Selbe. Kirchtürme besteigen, pardon, ich meine Heißluftballone, Camps erobern, Verstecke plündern, Convois platt machen etc… Zwischendurch auch mal, die Lichtblicke im trögen Alltag, eine Storymission. Da bei Max die Story jetzt nicht all zu komplex ist, weiß man auch immer noch, um was es hier geht. Da haben sich vor allem Spiele der Assassin’s Creed Spiele mit ihren Aufgeblasenheit selbst ein Bein gestellt. Ich persönlich konnte meistens nicht mehr folgen, nachdem ich stumpf mein Alltagsgeschäft verrichtet hatte.

Fließband-Arbeitssimulator

Was soll das alles? Halten uns die Entwickler für dumm? Immer wieder das Karussell der stumpfen Tätigkeiten fahren, um endlich, endlich mal Richtung Showdown zu gelangen? Und dann diese Frechheit zwischendurch, dass man eine neue Storymission erst spielen darf, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind? Zum Beispiel: Erfülle drei Nebenmissionen? Was? Einfallsloser geht’s schon kaum noch. Ich mein, man kann ja nicht immer ein narrativ fast perfekt durchgestyltes Spiel a la The Wichter 3 erwarten, aber ein wenig Kreativität wäre schön. Oder zumindest die Option, die Gameplay-Fließbandarbeit zu überspringen. Wer Spaß dran hat, darf gerne sitzen bleiben und weiter rotieren, aber mir wird meine Zeit immer wertvoller, als dass ich sie bei sinnlosen repetitiven Spielen verplempern will.

Ich mein, Mad Max muss sich nicht verstecken, da passt schon alles, nur halt nicht die aufgezwungene Aufgeblasenheit, um den paar wenigen, aber halt sehr lauten Rufern gerecht zu werden, die sich über „zu kurze“ Spiele aufregen. (Wobei ~70% der Spieler die Spiele eh nicht durchspielen!?) Und Mad Max ist hier nur ein Beispiel unter vielen, der großen Spiele, die alle ihre Qualitäten haben, jedoch immer weniger mutig sind und uns immer mehr abstumpfen und zu Fließbandarbeitern machen wollen.

Ein Gedanke zu „Mad Max – Mitläufer und Sündenbock

  1. Daniel

    „…sind eben die inzwischen einfallslosen Mechaniken der Spiele, bei denen man gebetsmühlenartig eine Handvoll Mechaniken immer und immer wieder wiederholen muss (MUSS).“

    Recht hat er. Ich bin ganz auf deiner Seite. Aber scheinbar : Den Leuten gefällt’s.
    Dann kommt man nicht ganz so aus dem Trott beim Zocken und muss am nächsten Tag nicht länger in der Firma bleiben. Sonst kann ich mir das nicht erkläre. Die Jugend von Heute!

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