Zombies mögen keine Planwirtschaft

Passend zu Halloween gibt es den ersten Text eines Double-Feature von Daniel und Stefan zum Thema Zombies, und warum sie (Achtung Wortspiel!) nicht tot zu kriegen sind. Daniels Text geht um die Nähe vom Untoten-Szenario mit der heutigen Welt und was das alles mit Kommunismus zu tun hat.

Die metaphorischen Grenzen zwischen Realität und den zahlreichen Zombie-Szenarien in Unterhaltungsmedien verschwimmen immer mehr und das zu Gunsten des Zombiefilms. Es gibt die guten Geschichten die  Ängste von Menschen be- und verarbeiten die das tägliche Leid aus den Medien oder eigener Erfahrung kennen. Die Zombie-Dystopie will als Trend nicht zu Ende gehen und beweist so, das es viel mehr ist als das. Es ist eine Beschreibung der allgegenwärtigen Ängste und Bedürfnisse unserer Gegenwart. Nicht das wir uns falsch verstehen, es gibt zahlreiche Plagiate, die auf der andauernden Hype-Welle nur mit schwimmen und im stumpfen Unterhaltungsrausch untergehen.

Wir leben nach den beiden Weltkriegen und einem großen wirtschaftlichen Wachstum in Zeiten von relativen Wohlstand. Nach dem abrupten Ende klassischer Feinbilder und Hoffnungsträger, ausgelöst durch den Zusammenbruch der UDSSR, ist dem Mensch einmal mehr bewusst, dass er selbst zu seinem größten Feind gemacht wird. Es geht nicht mehr um den Kampf zweier politischer Systeme,wie verlogen diese für sich genommen in ihrer Praxis auch sind oder gewesen sein mögen.

Das Gespenst des Terrorismus, die Irrationalität des Kapitalismus,das (Wieder-)Erstarken der Religion bzw. des religiösen Fanatismus und deren Pendant rechter Ideologien beruhen alle auf den selben Prämissen der Unkontrollierbarkeit und Willkür. Das Gegenteil von Planwirtschaft und wissenschaftlichem Sozialismus. Das Gegenteil von Autonomie und Freiheit. Die Abkehr von dem Versuch dem Menschen sein Schicksal selbst bestimmen zu lassen.

Am Ende dieser Entwicklung steht der Zombie, welcher in vielen Medien allgegenwärtig und in der Überzahl ist. Zombies sind der personifizierte Burnout. Der geistige Verfall und moralische Bankrott unserer Generation. Das No-Future der frühen Punk-Bewegung hat sich im Antlitz der Postmoderne vom Außenseiter zum Zombie stilisiert.

Das alles geht auf ein Bedürfnis der Menschen zurück, wieder mitbestimmen zu können und sich endlich in einer Situation wiederzufinden, wo die Karten neu gemischt werden. Alte Hierarchien aufgebrochen werden und in welcher Besitz, Reichtum und Status auf neue gesellschaftliche Grundlage gestellt werden.

Und dies scheint historisch betrachtet nur möglich, nicht durch Reform und Selbstheilung, sondern durch Ruinen aus denen die Menschen wieder auferstehen können.

Die Verrohung in unserer Gesellschaft und unserer Gegenwart ist omnipräsent, da braucht es keine Medienkonsumenten als vermeintliche Aggressoren oder Amokläufer. Da erledigt die Welt heute von selbst. Der Blick auf die realen Bilder. Die Gespräche mit lebenden Menschen ist Beweis und Beleg genug.

Wo Freiheit gerne propagiert wird, sehen wir Folter, Krieg, Vertreibung, Zäune und Ausgrenzung. Freiheit besteht im Konsum und der Möglichkeit permanenter Selbstoptimierung. Aus „ Alles verändert sich wenn du es veränderst“ ist längst „Alles verändert sich wenn du dich veränderst“ geworden.

Eine Lösung der Probleme oder Verbesserung ist momentan nicht in Sicht. Aber da Evolution grundsätzlich ungerichtet ist und sprunghaft von statten geht, besteht durchaus noch Hoffnung. Und bis dahin? Spielt mal wieder den ersten Teil von Fallout. Ohne Zombies und trotzdem alles im Arsch. Das tut gut.

(Artikel-Icon designed von Freepik)

Ein Gedanke zu „Zombies mögen keine Planwirtschaft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.