XCOM: End Unknown

Da ist es endlich wieder das fast vergessene Genre des rundenbasierten Strategiespiels. Fast schon wehmütig erinnert man sich zurück an die Zeiten, wo man Battle Isle oder die alten XCOM- oder UFO-Teile bis tief in die Nacht gespielt hat. Danach kam kaum noch etwas Vergleichbares, was in Erinnerung geblieben wäre.

 
Da ist es nun, das Remake des alten Klassikers. Und genau wie früher hat das Spiel Anspruch, auch wenn es doch hier und da etwas zugänglicher gestaltet ist. Trotz Tutorial wird der Spieler in das kalte Wasser geworfen mit nichts in der Hand als das Wissen der Grundfunktionen und einem Squad, der bis auf ein Mitglied komplett aufgerieben wurde. Diese etwas lustig anmutenden Aliens meinen es ernst! Die erste Runde XCOM war bei mir eher ein hinein stolpern, als gezieltes Spielen. Wie in der damaligen golden Zeit der Videospiele muss man das Spiel erst kennenlernen. Die Geduld, die man für so was aufbringen muss, ist nicht mehr selbst verständlich. Die breite Masse soll ja schließlich darauf aufmerksam werden. Doch bei XCOM haben wir wieder ein Spiel, das man erkunden muss. Ein Spiel, das einfach zu bedienen, aber schwer zu meistern ist. Man muss selbst aus seinen Fehlern lernen und das kann bei diesem Spiel auch bedeuten, dass man irgendwann von vorne beginnen sollte. Nicht nur die Mission, die man gerade verbockt, sondern das komplette Spiel. Die Feinheiten beim Bauen der Basis, dass man vorausschauend planen und bauen muss, merkt man oft zu spät. Haushalten ist die Devise. Was erforsche ich als Erstes und wie komme ich an mehr Geld? Wie rüste ich meine Soldaten auf, damit sie nicht wie die Fliegen sterben? All das lernt man auf die harte Tour, oder man wälzt sich durch Strategy-Guides im Internet. Etwas was man früher nicht hatte.

Anders als in anderen Spielen sind die Soldaten nicht einfach nur Statisten und Kanonenfutter, sondern man hängt sehr schnell an ihnen. Jeder einzelne Soldat lernt dazu, steigt im Rang auf, verbessert sich in seinen Werten und wird zum Spezialisten seines Fachs. Erfahrung die man dringend benötigt gegen diese KI. Schnell werden die einzelnen Klassen unersetzlich, denn die Alien-Horden werden immer stärker. Immer wieder erkundet man unbekanntes Terrain, arbeitet sich ja vorsichtig von Deckung zu Deckung, um irgendwann auf die feindliche Brut zu stoßen. Und eins ist klar, sie haben mehr Soldaten als Du! Fast jedes Mal steht man einer Übermacht gegenüber, bei der jeder Treffer den Tod eines lieb gewonnen Teammitglieds bedeuten kann. Der kleinste Fehler endet im Blutbad und man weiß wieder, dass man hier einen übermächtigen Gegner vor sich hat. Ständiges Auf-Der-Hut-Sein ist gefragt, im schlimmsten Fall wird der Ladebildschirm mit dem sich drehenden XCOM-Logo zur Pflicht. Oft wird man so in die Enge gedrängt, dass man ein Savegame vor einer Stunde laden möchte. Immer wieder drehen sich die Gedanken im Kopf, kann ich weiter kommen ohne meinen Sniper-Captain? Hab ich Ersatz? Muss ich mir erst wieder einen guten Sniper heranzüchten. Zeit ist Geld, die Invasion ist weltweit! Bald muss man sich intensiv um die Forschung kümmern. Projektilwaffen wirken alt, wenn die Aliens mit ihren Plasma-Waffen anrücken und mit Giftbomben werfen. Meine Kämpfer brauchen besser Panzerung! Das alles kostet Zeit und Geld, von dem man meist nicht sehr viel hat. Dann fehlt es an Ressourcen, mehr Workshops für Ingenieure müssen her! Das braucht Strom und Bauplatz! Und die Invasion geht rasend schnell weiter!

Ich hasse den Druck, den das Spiel aufbaut, ich hasse es in Fallen zu treten und ich hasse es, Spiele von vorne beginnen zu müssen, wenn man was verbockt. Andere Spiele würde ich einfach aufgeben und im Regal verstauben lassen. XCOM schafft es mich dran zu halten, der Frust hat etwas Süßes, motiviert sich darin zu verbeißen. Irgendwann weiß man, was zu tun ist, kennt die Tücken und Gefahren, scheut sich nicht mehr vor Mission, an den in roten Lettern „very difficult“ steht. Irgendwann ist auch klar, dass man das Spiel auch noch nach dem Abspann wieder spielen wird. Die Entwickler von Fireaxis haben alles richtig gemacht. Mehr davon, bitte!

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